You are hereBiologische Wäsche

Biologische Wäsche


Schwefelwasserstoff kann über die Oxidation durch chemoautotrophe Mikroorgansimen der Spezies Thiobazillus oder Sulfolobus abgetrennt werden. Diese Oxidation erfordert eine gewisse Menge Sauerstoff die durch Zugabe von Luft (oder, falls die Einbringung von Stickstoff ins Biogas minimiert werden soll, durch Zugabe von Reinsauerstoff) in die biologische Entschwefelung bereitgestellt werden muss. Die Oxidation kann bereits im Fermenter durchgeführt werden, sofern die beteiligten Mikroorganismen, die im natürlichen Gärrest bereits vorhanden sind, im Fermenter immobilisiert werden können. Die Alternative hierzu ist die Anordnung eines externen Apparates zur biologischen Entschwefelung, in welchen das Rohbiogas geleitet wird, nachdem es den Fermenter verlassen hat. Diese Methode ist aus Qualitätsgründen die einzig gangbare Möglichkeit, falls die Biogasaufbereitung zum Zwecke der Einspeisung ins Erdgasnetz betrieben werden soll. Der externe Apparat ist üblicherweise als Rieselfilm-Kolonne ausgebildet, in welchem die Mikroorganismen als Biofilm auf Füllkörpern immobilisiert sind. Das Biogas wird mit dem zudosierten Oxidationsmittel gemischt und der Rieselfilm-Kolonne zugeführt, in welcher das Gas durch einen Gegenstrom von nährstoffhaltigem Wasser quasi gewaschen wird. Die Mikroorganismen oxidieren Schwefelwasserstoff unter Verbrauch von molekularem Sauerstoff und wandeln die unerwünschte Gaskomponente so in Wasser und elementaren Schwefel oder schwefelige Säure um, welche gemeinsam mit dem Abwasserstrom die Kolonne verlassen. Der Investitionsbedarf für diese Methode ist moderat und die Betriebskosten sind niedrig. Die Technologie ist weit verbreitet und die Anlagenverfügbarkeit ist hoch.


Abbildung: Fließbild eines biologischen Wäschers zur Rohbiogasentschwefelung

Es zeigt sich, dass diese Entschwefelungsmethode einfach und stabil im Betrieb ist; das Fehlen jeglicher Chemikalien ist ein klarer Vorteil. Allerdings hat der langzeitige Betrieb einer solchen Technologie gemeinsam mit einer Biogasaufbereitungsanlage in Österreich gezeigt, dass die Methode nur begrenzt einsetzbar ist, wenn ein stabiler Netzeinspeisebetrieb erforderlich ist. Das biologische System ist in der Lage, sogar sehr große Schwefelwasserstoff-Frachten aus dem Biogas abzuscheiden, jedoch ist seine Anpassungsfähigkeit an schwankende Schwefelwasserstoffgehalte im Rohbiogas ausgesprochen gering. Es ist festzuhalten, dass diese Technologie nicht die erste Wahl ist, falls im Rohbiogas einer Biogasanlage hohe Gehalte an Schwefelwasserstoff oder schnelle und ausgeprägte Schwankungen zu erwarten sind.


Abbildung: Biologischer Wäscher an der Biogasanlage Bruck/Leitha, Österreich mit einer Rohgaskapazität von 800m³/h (Quelle: Technische Universität Wien, Biogas Bruck GmbH)